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— Cowboy… drehen Sie sich nicht um. Die Strömung hat mein Kleid mitgerissen.

TEIL 1

Der Canyon von Santa Águeda wirkte zu dieser Stunde wie ausgestorben. Kein Vogel. Kein Wagenrad. Keine frische Spur im Staub. Nur roter Fels, eine Sonne, die die Wände aufriss wie glühendes Eisen, und ein dünner Wasserfaden, der von oben herabfiel, als hätte die Wüste genau dort ihr letztes Geheimnis versteckt.

Mason war nur von seiner Stute abgestiegen, um die Feldflasche zu füllen. Er reiste mit Staub zwischen den Zähnen, mit altem Schlaf in den Augen und mit der Gewohnheit, nirgendwo lange zu bleiben, wo ihn jemand wiedererkennen konnte. Früher hatte er dem Militär als Fährtenleser gedient. Jetzt verkaufte er magere Pferde auf vergessenen Routen und vermied jede Erklärung dafür.

Kaum hörte er die Stimme, wandte er den Blick ab.

Er zog seinen langen Mantel aus, faltete ihn einmal zusammen und legte ihn auf einen Felsen, ohne näher zu kommen als nötig.

— Er liegt dort. Lassen Sie sich Zeit.

Das Wasser schlug weiter gegen den Stein. Dann kam sie langsam heraus, in den Mantel gehüllt, als wäre dieser Stoff die letzte Wand, die ihr in dieser Welt noch geblieben war. Sie war jung, Apache, mit dunklen, festen Augen. Ihr schwarzes Haar klebte ihr am Rücken, und ihr rechter Knöchel war so geschwollen, dass das nichts Gutes verhieß.

Sie sah nicht aus wie eine besiegte Frau.

Sie sah aus wie eine Frau, die bis an den Rand des Todes gerannt war und beschlossen hatte, sich nicht auszuliefern.

— Ich heiße Asha, sagte sie, ohne den Blick zu senken.

— Mason Hale. Können Sie gehen?

Sie sah zur Mündung des Canyons, bevor sie antwortete, als würde sie jeden Moment damit rechnen, jemanden auftauchen zu sehen.

— Ich kann. Aber nicht schnell. Ich bin von oben gesprungen, als sie mich eingekesselt hatten.

Mason folgte ihrem Blick. Er sah niemanden. Genau deshalb bekam er ein schlechtes Gefühl. Vor Jahren hatte er gelernt, dass auch Stille ein Hinterhalt sein konnte.

— Wer hat Sie verfolgt?

Asha zögerte einen Augenblick.

— Das waren keine gewöhnlichen Banditen. Sie haben unser Lager im Morgengrauen niedergebrannt. Zwei Männer haben sie vor den Augen meines Vaters getötet. Sie trugen Kapuzen und schwarze Halstücher. Sie kamen nicht, um zu rauben. Sie kamen meinetwegen.

Mason sah sie nun genauer an.

Sie hatte Erde an den Armen, getrocknetes Blut an einem Handgelenk und etwas, das schwerer zu erklären war: diese starre Haltung eines Menschen, der seit Stunden eine Angst in sich festhält, die zu groß ist, um sich das Weinen zu erlauben.

— Ich kenne eine Jägerhütte, sagte er. — Versteckt zwischen Mesquitesträuchern. Wenn sie weiter nach Ihnen suchen, sollten wir hier nicht bleiben.

Asha antwortete nicht sofort. Sie musterte ihn, als wollte sie entscheiden, ob es besser war, ihm zu vertrauen oder sich noch einmal ins Wasser zu stürzen.

Am Ende nickte sie.

Sie gingen einen schmalen Pfad entlang, die Stute hinter sich, während die Sonne wie geschmolzenes Blei auf sie herabfiel. Asha hinkte, doch sie beklagte sich kein einziges Mal. Mason ging in vorsichtigem Tempo, ohne sie zu berühren, ohne unnötige Fragen zu stellen, ohne sie länger anzusehen als nötig. Das bemerkte sie. Genauso wie sie bemerkte, dass er nie die Höhen und die dunklen Winkel aus den Augen ließ.

Als warte er seit Jahren auf eine Kugel.

Die Hütte bestand kaum aus mehr als vier Steinwänden und einem schlecht befestigten Dach, aber sie genügte. Mason ging zuerst hinein, prüfte den Boden, die Ecken, den alten Kamin. Erst als er sicher war, gab er ihr ein Zeichen.

— Kommen Sie rein.

Asha setzte sich an die Wand und schloss für einen einzigen Moment die Augen, als hätte sie vergessen, wie es sich anfühlte zu atmen, ohne zu rennen. Mason entzündete ein Feuer, reichte ihr Wasser und ein Stück gesalzenes Fleisch. Sie aß wenig. Gerade genug, um nicht zusammenzubrechen.

Die Nacht fiel plötzlich herein.

Draußen begann der Wind, Sand gegen die Steine zu treiben. Drinnen reichte das Feuer kaum aus, um ihre Gesichter sichtbar zu machen. Mason blieb am Eingang sitzen, das Gewehr auf den Knien. Asha tat so, als würde sie schlafen, bis sie es nicht mehr konnte.

— Wachen Sie immer so? fragte sie leise.

— Wenn jemand jagt, was unter meinem Dach Schutz sucht, ja.

Sie sah ihn lange an.

— Sie kennen mich nicht.

— Ich muss Sie nicht kennen, um zu wissen, wann jemand vor Männern flieht, die schlimmer sind als die Wüste.

Asha zog den Mantel fester über ihre Brust. Dann schob sie die Hand nach innen, bis zum zerrissenen Futter in Höhe ihres Bauches, und berührte etwas Verborgenes mit so großer Vorsicht, dass Mason es bemerkte, obwohl sie versuchte, es zu verbergen.

Er sagte nichts.

Aber er verstand: Diese Frau floh nicht nur um ihr Leben.

Sie trug etwas bei sich.

Bei Tagesanbruch ging Mason hinaus, um die Umgebung zu prüfen. Er fand alte Spuren, gebrochene Zweige und zwischen zwei Steinen eine kleine, schwarz angelaufene Silberbrosche in Form eines Falken. Kaum sah er sie, wurde sein Mund trocken.

Er kannte dieses Zeichen.

Er hatte es Jahre zuvor bei Einsätzen gesehen, die die Armee sogar vor den eigenen Männern verleugnete.

Er kehrte mit der Brosche in der Hand zur Hütte zurück. Asha nähte gerade Lederstreifen zusammen, um sich Kleidung für den Weg zurechtzumachen. Als sie ihn eintreten sah, stand sie zu schnell auf und verlor beinahe das Gleichgewicht.

— Was ist passiert?

Mason öffnete die Hand.

Ashas Gesicht veränderte sich.

— Wo haben Sie das gefunden?

— Nahe beim Pfad. Und das heißt, dass Sie nicht irgendeine Bande sucht. Dieses Abzeichen trugen Männer, die für einen Colonel arbeiteten. Ein Hund in Uniform, mit Erlaubnis, sich für die Regierung die Hände schmutzig zu machen.

Asha schluckte. Zum ersten Mal brach Angst ihre Stimme.

— Dann sind sie früher hier, als ich dachte.

— Was hatte Ihr Volk bei sich? fragte Mason. — Was wollen sie zurückholen?

Sie trat einen Schritt zurück. Dann noch einen. Ihre Finger glitten erneut unter das Futter des Mantels.

Bevor sie antworten konnte, schnitt ein langer Pfiff durch den Canyon.

Dann ein zweiter.

Und schließlich hallte eine Stimme zwischen den Felsen wider, trocken, vertraut, unmöglich zu verkennen:

— Hale! Kommen Sie unbewaffnet raus! Geben Sie die Apache heraus, und vielleicht vergesse ich, dass Sie desertiert sind!

Mason erstarrte.

Er kannte diese Stimme.

Er kannte diesen Mann.

Und als Asha endlich aus dem Mantel eine blutbefleckte Ledertasche hervorholte, mit dem Siegel des Colonels in Gold geprägt, hielten die Hufe von drei Pferden direkt vor der Tür an.

Was geschieht als Nächstes…?

TEIL 2

Mason wich nicht von der Tür.

Er senkte nur ein wenig das Gewehr und sah zu Asha, die noch immer die Tasche in den Händen hielt und sie an die Brust presste, als hätte sie nun verstanden, dass genau deswegen ihre Leute getötet worden waren. Draußen schnaubten die Pferde ganz nah.

Die Stimme erklang erneut, näher diesmal, und nun trug sie nicht nur Drohung in sich. Sie trug Vergangenheit.

— Rourke, sagte Mason beinahe zu sich selbst.

Er musste ihn nicht sehen, um zu wissen, dass er es war. Es gab Männer, deren Gesichter die Jahre auslöschen konnten, aber nicht ihre Stimmen. Und diese Stimme hatte sich ihm eingebrannt, lange bevor er desertierte.

Asha begriff etwas, ohne dass es ihr jemand erklären musste. Sie sah es daran, wie er die Füße setzte, wie sich sein Kiefer verhärtete, an dieser rauen Stille, die aus seinem ganzen Körper kam. Das war keine Angst. Es war die Müdigkeit, die eine alte Schuld hinterlässt, wenn sie bewaffnet zurückkehrt.

— Wenn er hereinkommt, bringt er niemanden lebend hinaus, sagte sie leise.

Mason streckte die Hand aus, ohne sie anzusehen.

— Geben Sie sie mir.

Asha zögerte einen Moment, doch schließlich reichte sie ihm die Tasche. Sie war aus gutem Leder, schwer, die Tasche eines Offiziers. Das Siegel von Colonel Vance war in Gold eingeprägt, an einer Ecke klebte ein dunkler, längst getrockneter Fleck.

Mason öffnete sie nur weit genug, um gefaltete Papiere, ein kleines Notizbuch und einen versiegelten Umschlag zu sehen. Sobald er die erste Zeile las, spürte er Leere im Magen. Er musste nicht weiterlesen. Er erkannte Namen von Außenposten, Daten, Versorgungsrouten und eine Liste von Zahlungen an Zivilisten für „Gebietsbereinigung“.

So nannten sie es.

Bereinigung.

Als wären Menschen nichts anderes als Unkraut.

Draußen schlug ein Gewehrkolben gegen Stein.

— Ich gebe dir eine einzige Chance, Hale! rief Rourke. — Die Frau wollen sie lebend. Bei dir, offen gesagt, ist selbst das schon egal.

Mason schloss die Tasche und zog Luft durch die Nase. Dann gab er sie Asha zurück.

— Wenn sie Sie kriegen, bringen sie Sie nicht zu einem Richter. Und auch nicht in ein Fort.

Asha hielt seinem Blick stand.

— Das weiß ich.

— Dann hören Sie mir gut zu. Wenn ich das Feuer eröffne, gehen Sie hinten raus, halten sich am Mesquitestrauch und steigen in das trockene Bachbett hinunter.

Sie rührte sich nicht.

— Mein Vater ist gestorben, um das aus dem Lager zu schaffen. Ich werde nicht davonlaufen, während Sie wegen mir hierbleiben.

Mason sah sie nun endlich direkt an.

— Ich bleibe nicht wegen Ihnen. Ich bleibe wegen dem, was ich vor Jahren hätte tun müssen.

Asha schluckte, aber sie nickte.

Das war die ganze Abmachung.

Keine Versprechen, kein großes Drama, keine hohen Worte.

Manchmal entsteht Vertrauen genau so: langsam, in kleinen Schritten, wenn keine Zeit mehr bleibt, misstrauisch zu sein.

Mason trat das Feuer mit dem Stiefel aus, griff eine Handvoll Asche und warf sie zur Tür hinaus. Sobald die graue Wolke in die Luft stieg, feuerte er zweimal. Draußen ertönte ein Schrei, dann bäumte sich ein Pferd auf, danach das kurze Donnern von Männern, die Deckung suchten.

Asha war bereits auf dem Weg nach hinten, als eine Kugel auf Schulterhöhe einen Riss in die Wand schlug.

Sie kamen irgendwie zwischen Steinen und trockenen Ästen hinaus. Ashas Knöchel war nicht zum Rennen geeignet, doch die Angst lieh ihr für Augenblicke Kraft. Mason ging hinter ihr, ohne sie mehr zu treiben als nötig, und drehte sich nur so weit um, wie es sein musste. Er schoss selten. Jeder Schuss war überlegt.

Sie stiegen bis zum trockenen Bachbett hinab und drängten sich zwischen totes Schilf. Dort konnten sie einen Moment lang atmen.

Asha krümmte sich vor Schmerz und stützte die Hände auf die Knie. Mason ging neben ihr in die Hocke und untersuchte ihren Knöchel, ohne sie mehr zu berühren als nötig.

— Er ist schlimmer als gestern, sagte er.

— Ich halte noch durch.

— Es geht nicht ums Durchhalten. Es geht darum, anzukommen.

Sie stieß ein kurzes, fast bitteres Lachen aus.

— Seit heute Morgen geht es um nichts anderes.

Sie gingen weiter bis zu einer Felsspalte, in die gerade so zwei Menschen passten. Als das Geräusch der Pferde ein wenig ferner wurde, bat Mason erneut um die Tasche. Er nahm das kleine Notizbuch heraus und schlug es langsam auf.

Es war ein Zahlungsregister, mit Unterschriften, Daten und Orten. Namen von Ranchern standen darin, von Händlern, einem Grenzrichter und zwei Offizieren. Auch der Angriff auf das Apache-Lager war vermerkt, als wäre er nur ein gewöhnliches Manöver gewesen, um den Weg zu einer Silberader und einer Versorgungsroute freizuräumen.

Asha ließ ihn lesen, ohne ihn zu unterbrechen. Dann nahm sie den versiegelten Umschlag und legte ihn in seine Hand.

— Mein Vater hat ihn versteckt, als er hörte, wie ein betrunkener Soldat zu viel redete, sagte sie.

— Wissen Sie, was darin ist?

— Nein. Er sagte nur, wenn er falle, solle ich jemanden namens Hale suchen… oder mich mit dem hier begraben lassen, bevor ich es einem anderen gebe.

Mason hob den Blick.

Zum ersten Mal, seit er sie gefunden hatte, traf ihn etwas tiefer als die Verfolgung.

— Ihr Vater kannte meinen Namen?

— Er sagte, Sie hätten einmal versucht, eine Brandlegung in San Tebaldo zu verhindern. Er sagte, Sie seien zu spät gekommen, aber nicht zufrieden gegangen.

Mason antwortete nicht.

Er starrte auf den Umschlag, als wöge er mehr als eine Waffe.

San Tebaldo.

Drei Hütten, zwei tote Kinder und ein unterzeichneter Befehl, der nie auftauchte, weil ihn jemand vor der Inspektion verbrannt hatte. Jemand wie Rourke. Oder wie Vance.

Draußen bewegte sich das Schilf.

Kaum merklich.

Aber beide hörten es.

Mason steckte das Notizbuch ein, spähte vorsichtig hinaus und sah zwischen den Steinen einen unbeweglichen Schatten. Sie suchten das Gelände nicht blind ab. Rourke trieb sie langsam in die Enge, wie man ein verwundetes Tier jagt, das immer noch beißen kann.

— Es gibt einen alten Pass nach Norden, sagte Mason. — Wenn wir ihn vor Einbruch der Nacht überqueren, erreichen wir eine verlassene Mission. Dort kann ich Sie verstecken, bis ich in die Stadt hinuntergehe.

Asha schüttelte den Kopf.

— Verstecken Sie mich nicht. Bringen Sie das dorthin, wo man es liest.

— Erst bringe ich Sie lebend raus.

Sie wollte antworten, doch dann hielt sie inne.

In der Stille erklang eine andere Stimme, weiter entfernt, kälter als Rourkes Stimme. Sie schrie nicht. Das hatte sie nicht nötig. Sie sprach mit der Ruhe eines Mannes, der sich bereits als Sieger sieht.

— Mason Hale. Wenn du diesen Umschlag öffnest, wirst du verstehen, warum man dich in San Tebaldo am Leben gelassen hat.

Und diesmal wich Mason tatsächlich alle Farbe aus dem Gesicht.

Denn diese Stimme gehörte nicht Rourke.

Sie gehörte Colonel Vance selbst.

TEIL 3

Mason antwortete nicht sofort.

Mit steifen Fingern zog er den Umschlag hervor und brach das Siegel genau dort auf, geduckt zwischen Stein und Schilf, während die Stimme des Colonels draußen weiter in der Luft hing, als spräche er von der Veranda seines eigenen Hauses.

Darin lag ein alter Befehl, unterschrieben von Vance. Darauf stand der Name San Tebaldo und die Anweisung, einem „aufsässigen Scout“ die Schuld zu geben, falls etwas schiefging. Weiter unten, mit hastigerer Schrift, stand das Schlimmste: „Hale nicht erschießen. Die Schande wird ihn besser verstecken als jedes Grab.“

Mason las diese Zeile nur ein einziges Mal.

Dann faltete er das Papier mit äußerster Sorgfalt zusammen, als könnte er verhindern, dass das Geschriebene weiteratmete, wenn er es nur schloss.

Asha fragte nichts. Sie hatte fast alles verstanden, als sie sein Gesicht gesehen hatte. Er hatte nicht aus Glück überlebt. Man hatte ihn leben lassen, damit er die Schuld trug und sich selbst langsam aus der Welt löschte.

— Jetzt jagen sie uns nicht mehr getrennt, sagte Mason schließlich. — Sie wollen uns ins gleiche Loch werfen.

Asha nickte langsam, das Gewehr in den Händen, während ihr Knöchel bis in die Stirn pochte.

— Dann laufen wir nicht mehr weg.

Mason sah zu dem schmalen Pfad, der den Hang hinaufführte, und deutete auf eine Spalte weiter oben, wo der Fels seit Jahren locker saß.

Sie stiegen hinauf, so gut sie konnten, ohne mehr zu sprechen als nötig. Asha blieb oben zurück, hinter einem niedrigen Felsen, mit freiem Blick auf die Schlucht. Mason ging ein paar Meter hinunter und stellte sich dorthin, wo Vance ihn zuerst sehen konnte. Nicht wie ein Mann, der um einen Ausweg bat, sondern wie einer, der endlich nicht mehr den Kopf senken würde.

Die Sonne stand ihnen frontal entgegen, und die Kehle des Canyons roch nach Staub, nach altem Schweiß und nach Blut, bevor es vergossen wurde.

Der Erste, der eintrat, war Rourke.

Er kam zu Fuß, das Gewehr an der Brust, mit dem Gang jener Männer, die es genießen, sich dem letzten Schuss zu nähern.

— Ich wusste immer, dass du für etwas sterben würdest, das nicht einmal dir gehört, sagte er und spuckte zur Seite. — Genau wie diese Apachen. Genau wie die Leute von San Tebaldo.

Mason antwortete nicht. Er wartete nur, bis Rourke noch zwei Schritte machte, und schoss ihm ins Bein.

Rourke fiel auf die Knie und ließ die Waffe auf den Kies fallen. Er schrie einmal, mehr aus Wut als aus Schmerz, und hob den Kopf, um Vance zu suchen. Doch der Colonel kam bereits hinter ihm her, noch immer makellos, den Revolver in der Hand und mit derselben Kälte wie immer.

Ohne stehen zu bleiben, schoss Vance seinem eigenen Mann in die Brust.

— Du redest zu viel, wenn dir etwas wehtut, sagte er beinahe gelangweilt.

Asha umklammerte oben das Gewehr, doch Mason gab ihr ein kaum sichtbares Zeichen zu warten.

Vance sah zu Rourke hinab, dann wieder zu Mason, und für einen Moment schien er nicht den ausgemergelten Mann vor sich zu sehen, sondern den jungen Burschen von damals.

— Ich habe dir einen Ausweg gegeben, sagte er. — Du hättest verschwinden und schweigen können.

— Das war kein Ausweg, erwiderte Mason. — Das war eine Leine.

— Und sie stand dir gut. Bis heute.

Vance hob die Waffe, doch er kam nicht mehr zum Schuss.

Von oben krachte Ashas Gewehr, und die Kugel durchschlug seine rechte Schulter. Der Colonel drehte sich um sich selbst, taumelte und ließ den Revolver zwischen die Steine fallen. Mason war schneller, trat die Waffe weg und warf ihn mit dem Knie im Rücken zu Boden.

Es gab keine Schreie. Keine langen Drohungen. Keine überflüssigen Abrechnungen.

Nur das kurze Keuchen von drei Menschen, die an jenem Punkt angekommen waren, an dem alles seinen Preis hatte.

Sie fesselten ihn mit demselben Zügel, mit dem Mason am Tag zuvor die Feldflasche hinuntergebracht hatte. Bevor sie ihn zum Gehen zwangen, beugte sich Asha vor ihm nieder und zog das Zahlungsbuch aus der Tasche.

Sie zitterte nicht.

Und genau das hatte das größte Gewicht.

— Dafür haben Sie mein Volk verbrannt, sagte sie. — Nicht wegen Krieg. Nicht wegen eines Befehls. Wegen Silber.

Vance antwortete nicht. Er senkte den Blick, wie es manche tun, wenn sie endlich begreifen, dass sie nicht einmal mehr über ihre eigene Stimme befehlen können.

Sie brauchten zwei Tage, um Tucson zu erreichen.

Mason betrat das Büro des Richters mit Staub bis in die Wimpern, dem verwundeten und gefesselten Colonel hinter sich und Asha, die langsam ging, ohne Hilfe zu verlangen. Sie übergaben den Befehl, das Notizbuch und die blutige Ledertasche. Danach sagte Mason aus. Für San Tebaldo. Für das niedergebrannte Lager. Und für alles, was er so lange in sich hatte verrotten lassen.

Als er hinausging, war es Nacht.

Asha saß auf dem Bürgersteig, der Knöchel verbunden, den Blick fest auf die Straße gerichtet.

— Und jetzt? fragte Mason.

Asha brauchte einen Moment, bevor sie antwortete.

— Jetzt haben die Toten wieder Namen. Und Sie haben keinen Grund mehr, sich weiter zu verstecken.

Mason setzte sich neben sie, ohne sie zu berühren, und lauschte in der Ferne den Hufen, den Stimmen und einer Glocke, die die Stunde schlug.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren klang die Stille für ihn nicht wie Verfolgung.

Sie klang nach etwas anderem.

Nach etwas Härterem und Reinerem:

nach Bleiben.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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